Wo Baustoffe ein zweites Leben bekommen
Kreislaufwirtschaft realisieren, Erlöse generieren und gleichzeitig soziale Wirkung erzielen – klingt zu gut, um wahr zu sein? BauKarussell macht’s vor.

Mit „Social Urban Mining“ – trat das Wiener Unternehmen BauKarussell erstmals 2016 auf den Plan. Konkret geht es darum, beim Abbruch oder der Sanierung von Gebäuden ohnehin verpflichtende Rückbauarbeiten zu erledigen und dieses Zeitfenster zu nutzen, um Bauprodukte in die Wiederverwendung zu bringen. Zweites Leben statt Entsorgung – genau, wie wir es bei der Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen schätzen!
Doch das ist nicht alles. Der Clou bei diesem Ansatz: BauKarussell setzt auf Teams von sozial benachteiligten Arbeitskräften. Diese „Transitarbeitskräfte“ – wie etwa ehem. Langzeitarbeitslose oder Menschen mit Migrationsbiografie – werden geschult und beim Rückbau eingesetzt. Ein Konzept mit sozialem Mehrwert, denn so wird der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht.
Eine Win-Win-Situation also. Oder eigentlich sogar: Win-Win-Win. Denn die mit diesem Ansatz gewonnen Materialien, Wertstoffe und Bauteile werden zudem behutsam demontiert und sortiert - und nach Möglichkeit verkauft. So tragen sie dazu bei, dass sich der Beitrag zur Kreislaufwirtschaft auch „auszahlt“. Und zwar für alle Beteiligten: die Auftraggeber:innen, BauKarussell – und somit auch für die Arbeiter:innen, deren Arbeitsplätze gesichert werden.

Bildung à la BauKarussell
„BauKarussell hat es geschafft, die Abfallwirtschaft mit der Sozialwirtschaft zu einem erfolgreichen zirkulären Rückbaumodell zu verbinden und konnte österreichweit einige großvolumige Projekte umsetzen“, erklärt Geschäftsführerin Sonja Zumpfe. „Damit konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln, die wir in Form von Bildungsangeboten auf allen Ebenen weitergeben.“
Bildungsangebote? Richtig gelesen: Denn BauKarussell ist nicht nur operativ beim Rückbau von Gebäuden tätig. Das Team rund um Sonja Zumpfe, Markus Meissner und Thomas Romm vermittelt sein Know How auch gezielt an Interessierte. Die Angebote der „BauK-Akademie“ reichen von der Entwicklung von Bildungsformaten rund um zirkuläres Bauen über Fachvorträge und Lehrtätigkeiten bis hin zu Fachexkursionen zu Rückbaustellen. Herzstück der Bildungsschiene sind die eigenen Trainingsmodule für die Sozialwirtschaft, darunter der „Social Urban Miner“.

Erfolgsgeschichten
Ganz schön viel Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft also – einer Zukunft mit deutlich mehr Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung. Wie fühlt sich das an – was waren Ihre schönsten Erlebnisse mit BauKarussell, Sonja Zumpfe? „Da gibt es viele“, kommt die Nachhaltigkeitsexpertin ins Schwärmen. „Das Hochgefühl, wenn Traktoren und Harvester in eine aufgelassene Kaserne einfahren, um Bauteile zu demontieren – und diese sich in landwirtschaftlichen Betrieben, einer Fischereizucht oder anderen regionalen Organisationen wiederfinden. Die Begeisterung der Bauherren, wenn gemeinsam etwas gelingt… Oder auch der besondere Spirit an unseren Open Mine Days, wenn sich neue Communities bilden und Ideen entwickeln.“
Fest steht: BauKarussell zeigt vor, wie man durch den Abbau von wertvollen Rohstoffen aus alten Gebäuden und Objekten nicht nur einen wichtigen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft leistet. Sondern, wie dieses „Mining“ gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll und sozial wirksam gestaltet wird. Entstehen dabei neue Arbeitsplätze, dann sind es echte „grüne Jobs“.

Blick in die Zukunft
Wie sieht die Zukunft von BauKarussell und Kreislaufwirtschaft aus? „In 20 Jahren ist die Branche vollständig in der Kreislaufwirtschaft angekommen“, hofft Sonja Zumpfe. „Und idealerweise gibt es effiziente Infrastrukturen zur Nutzung von urbanen Minen. „Social Urban Mining“ ist dann das Basismodell für die Integration von arbeitsmarktfernen Personen im Bausektor, und BauKarussell vernetzt die bestehenden Infrastrukturen zu einem BauKarussell Österreich – als Motor für Qualität und Weiterentwicklung.“
Wir schließen uns diesem Wunsch an. Die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen leistet einen Beitrag dazu, dass dieses Ziel Realität wird.
Über die Förderung:
Die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen unterstützt innovative Projekte, die Abfälle von vornherein vermeiden. Sie bietet hohe Gestaltungsfreiheit und eine einfache Abwicklung. Verwaltet werden die Fördermittel treuhändisch von der VKS Verpackungskoordinierungsstelle gemeinnützige GmbH.