Zero Waste Logistics bei Siemens Mobility Austria: Wie Mehrweg-Boxen Einwegverpackungen ersetzen sollen
Die Zero Waste Initiative von Siemens Mobility Austria zeigt, wie sich industrielle Einwegverpackungen systematisch durch einen Pool aus standardisierten Mehrweg-Kunststoffboxen ersetzen lassen. Im Rahmen dieser Initiative ist eine nachhaltige Logistiklösung entstanden, die Verpackungsabfall reduziert, Ressourcen schont und die Kreislaufwirtschaft in der industriellen Lieferkette stärkt.
Der Siemens Mobility Fertigungsstandort Wien Leberstraße, welcher das Kompetenzzentrum für U-Bahnen und Schienenfahrzeuge ist, leistet seit über 160 Jahren einen wertvollen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität im Schienenverkehr. Eine Teilsparte davon ist der Geschäftsbereich Rolling Stock, welcher die Produktion von Schienenfahrzeugen abdeckt. Am Standort Wien wurde 2023 auch die so genannte Zero Waste Initiative ins Leben gerufen. Das Projekt wurde umfangreich wissenschaftlich vom Österreichischen Ökologie-Institut als Projektpartner begleitet, die eine fundierte CO2-Bilanzierung durchgeführt haben.
Ausgangslage: Einwegverpackungen in der industriellen Logistik
In der Produktion von Schienenfahrzeugen bei Siemens Mobility Austria werden täglich tausende Komponenten von unterschiedlichen Zulieferern angeliefert. Bisher überwiegend in branchenüblichen Einwegverpackungen aus Holz und Karton oder Metall-Mehrwegladungsträgern. Diese Einweg-Systeme erzeugen hohe Mengen an Verpackungsabfall, weil diese nach einmaligem Gebrauch entsorgt und laufend neu produziert werden müssen. Dies verursacht unnötig hohe Kosten und logistische Herausforderungen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an nachhaltige Logistik, Zero Waste Konzepte und ressourceneffiziente Lieferketten in der Industrie.
Von der Einwegverpackung zum Mehrweg-Boxenpool
Um Verpackungsabfall konsequent zu vermeiden, hat Siemens Mobility Austria gemeinsam mit den Logistics Project Professionals Georg Vinzenz, Margit Naumann und Christian Mörkl, eine Zero Waste Initiative gestartet, die gezielt auf Mehrwegverpackungen und einen zentralen Mehrweg-Boxenpool setzt. Die neu entwickelten, faltbaren Mehrweg-Kunststoffboxen mit dem Namen „Vinamo“ (entstanden durch die Nachnamen der drei führenden Projektleiter) sind das Herzstück der Initiative. Sie sind als robuste, wiederverwendbare Mehrwegverpackungen ausgelegt

„Wir sind fest davon überzeugt, dass Unternehmen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung einer ressourcenschonenden Zukunft spielen müssen“, erzählen die Logistics Project Professional Georg Vinzenz und Christian Mörkl.
Ziel ist es, industrielle Einwegverpackungen durch die standardisierten Mehrweg-Kunststoffboxen in drei Größen zu substituieren und so einen skalierbaren Zero Waste Prozess in der Logistik aufzubauen. Die Zero Waste Initiative verbindet ökologische Ziele wie Abfallvermeidung und CO₂eq-Reduktion mit wirtschaftlichen Vorteilen durch effizientere, standardisierte Verpackungs- und Logistikprozesse.
Herausforderungen am Weg
„Die größte Herausforderung in der Umsetzung war die Überwindung anfänglicher Skepsis und die Anpassung bestehender Prozesse“, erzählen die Projektleiter. Die Einführung eines neuen Systems erfordert immer eine Umstellung und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Es galt, alle Beteiligten – von den Lieferanten bis zu den Endnutzern in der Montage – von den Vorteilen der neuen Lösung zu überzeugen und sie aktiv in den Entwicklungsprozess einzubinden.
„Einige Kollegen haben anfangs nicht verstanden, wie der Einsatz von mehr Plastik dabei helfen soll, nachhaltiger zu werden. Plastik bzw. Kunststoff ist im Volksmund mit vielen negativen Vorurteilen behaftet, welche aber durch etwas Aufklärung schnell widerlegt werden konnten“, berichten beide.
Auch die Auswahl der passenden Materialien und die Sicherstellung der Kompatibilität mit den verschiedenen Zugkomponenten stellte eine komplexe Aufgabe dar, die jedoch gemeistert werden konnte.

Mehrweg-Kunststoffboxen als Standard in der nachhaltigen Logistik
„Durch die Standardisierung auf drei Boxgrößen ist ein effizienter Mehrweg-Boxenpool entstanden, der in unterschiedlichen Projekten, Werken und Materialströmen einsetzbar ist“, berichten Georg Vinzenz und Christian Mörkl.
Die faltbaren Mehrweg-Boxen erleichtern den Rücktransport zum Lieferanten, sparen Lagerfläche und senken die Transportkosten in der Lieferkette. Außerdem punktet das standardisierte und nachhaltige Boxensystem mit hoher Stabilität und Schutzwirkung für industrielle Komponenten. Damit werden sie zu einem zentralen Werkzeug, um Zero Waste Logistics in der Industrie praktisch umzusetzen

Ökologische Wirkung: Abfallvermeidung, Kreislaufwirtschaft und Reduktion von Treibhausgas-Emissionen
Der Wechsel von Einwegverpackung zum Mehrweg-Boxensystem hat auch eine direkte ökologische Wirkung: Weniger Verpackungsabfall, längere Nutzungsdauer der Verpackung und eine bessere Bilanz im Sinne der Kreislaufwirtschaft.
Die Zero-Waste Initiative am Fertigungsstandort Leberstraße leistet einen Beitrag zu den übergeordneten Siemens DEGREE Zielen. Dieser 360-Grad-Ansatz für mehr Nachhaltigkeit, konzentriert sich ganzheitlich auf Kunden, den Planeten und die Gesellschaft sowie auf eigene Siemens interne Abläufe, Produkte und Mitarbeiter.
„Langfristig hoffen wir, einen Beitrag zu einer Kreislaufwirtschaft zu leisten, in der Ressourcen effizienter genutzt und Abfälle minimiert werden. Wir möchten zeigen, dass nachhaltige Logistiklösungen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bieten“.

Zero Waste Logistics als Baustein einer nachhaltigen Lieferkette
Die Zero Waste Initiative mit Mehrweg-Kunststoffboxen ist mehr als ein Verpackungsprojekt – sie ist ein Baustein für eine ganzheitlich nachhaltige Lieferkette. Durch Zero Waste Logistics verknüpft Siemens Mobility Austria Themen wie nachhaltige Logistik, Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und die Reduktion von Treibhausgas-Emissionen zu einem integrierten Ansatz.
Der Pool an Mehrwegverpackungen soll kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert werden, beispielsweise durch den Einsatz noch nachhaltigerer Materialien oder der Integration von IoT-Technologien zur besseren Nachverfolgung (ein umfassendes Pilotprojekt wird im Mai 2026 gestartet).
Die Zero Waste Initiative von Siemens Mobility Austria wurde finanziert durch die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen.
Siemens Mobility Austria: https://www.mobility.siemens.com/at/de.html Siemens DEGREE-Ziele: https://www.siemens.com/de-de/company/sustainability/degree/
Projektpartner: Österreichisches Ökologie-Institut: https://www.ecology.at/
Über die Förderung:
Die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen bietet Fördermittel für innovative Projektideen zur Abfallvermeidung mit hohem Maß an Freiheit und einer einfachen Förderabwicklung.
Die VKS Verpackungskoordinierungsstelle gemeinnützige GmbH, verwaltet die Mittel zur Förderung von Abfallvermeidungsmaßnahmen treuhändisch und als unabhängiger Dritter