Nachhaltige Forstwirtschaft: biologisch abbaubare Pflanzenschutzhüllen
Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft wird immer wichtiger. Insbesondere wenn es darum geht, junge Bäume zuverlässig zu schützen, ohne die Umwelt zusätzlich zu belasten. In Kärnten setzt die Firma Fundermax gemeinsam mit dem Pflanzenschutzspezialisten Witasek neue Maßstäbe: mit vollständig biologisch abbaubaren Baumschutzhüllen, die eine echte Alternative zu herkömmlichen Kunststoffhüllen bieten. Diese Innovation unterstützt nicht nur die Aufforstung, sondern trägt auch zu plastikfreien Wäldern bei.
Junge Bäume sind in den ersten Jahren besonders gefährdet. Vor allem durch Wildverbiss, aber auch durch mechanische Einflüsse. Klassische Baumschutzhüllen aus Kunststoff schützen zwar zuverlässig, müssen jedoch nach vier bis fünf Jahren entfernt und entsorgt werden. Häufig bleiben sie dennoch im Wald zurück, mit gravierenden Folgen für Ökosysteme und Böden. Die Lösung dafür fanden zwei Kärntner Unternehmen.

Biofaser-Schutzhüllen „Made in Kärnten“
Um Alternativen zu den herkömmlichen Baumschutzhüllen aus Kunststoff zu haben, hat sich der Feldkirchner Pflanzenschutzexperte Witasek auf die Suche nach biologisch abbaubaren Materialien gemacht. Fündig wurde man beim St.Veiter Holzwerkstoffproduzenten Fundermax. Gemeinsam entwickelten sie eine Baumschutzhülle, die in der Natur verbleiben kann. Grundlage für die neuen Schutzhüllen ist eine Biofaserplatte, die
- zu 99 % aus Holz ist
- komplett ohne synthetische Zusatzstoffe auskommt
- zu 100 % biologisch abbaubar ist
- ausschließlich natürliche Harze nutzt, die im Nassfaserverfahren aus dem Holz gelöst werden.
Die Hüllen zerfallen nach ihrer Einsatzzeit zu Biomasse, ohne Rückstände oder Mikroplastik. Das macht sie sicher für Tiere, Pflanzen und Böden. Es entsteht kein Plastikmüll im Wald, auch das bedeutet weniger Arbeitsaufwand im Vergleich zur Entfernung der Plastikhüllen. Trotz allem ist eine Langlebigkeit über die gesamte kritische Wachstumsphase der Pflänzchen gewährleistet.
Mit Hightech und Handwerk regional produziert
Die Innovation ist nicht nur nachhaltig, sondern auch eine rein regionale Wertschöpfung. Die ursprüngliche Entwicklungs- und Prototypfertigung fand im Makerspace Carinthia, einer Kreativ-Werkstatt zur Prototyp-Entwicklung, statt. Die ersten 3.000 Prototypen wurden noch per Hand gefräst und vernäht. In Feldversuchen wurde anschließend getestet unter welchen Lichtbedingungen und welchem Waldboden sich welche Pflanzen entwickeln. Auch auf schnelle und einfache Montage ganz ohne Hilfsmittel wie Kabelbinder wurde geachtet.
„Am Ende klingt alles so einfach, aber es war ein langer Weg mit vielen Versuchen und Aufwand“, erzählt Michael Seebacher über die Herausforderungen.

Die Produktion selbst erfolgt in St.Veit/Glan bei Fundermax. Das Holz dafür wird aus maximal 200km Umkreis zugeliefert.
Für die Herstellung wird eine so genannte „Vielnadelnähanlage“ verwendet, welche die Biofaserplatten zu stabilen Hüllen verarbeitet. Die Kombination aus traditionellem Rohstoff und moderner Verarbeitung ist weltweit einzigartig und bereits patentiert. Die Maschine selbst ist ein Prototyp und kommt ursprünglich aus der Autoindustrie.
„Wir haben lange nach etwas Ökologischem gesucht, dass unsere Holzfaserplatten zusammenhält und miteinander verbindet. Und das sollte alles automatisiert passieren, um es wirtschaftlich produzierbar zu machen“, erzählt Seebacher. Die ursprünglichen Versuche mit biologischen Klebern scheiterten, erst der ehemalige Produktionsleiter Günther Reichmann hatte die zündende Idee. Auf Omas Nähmaschine tüftelte er zuhause an der Nähtechnik, die sich bis heute bewährt hat. Die im Projekt angeschaffte Hightech-Vielnadelnähmaschine ist bis heute nach Oma „Mizale“ benannt.
Das Ergebnis der ganzen Planungsphase: Eine praxisnahe Lösung, die nicht nur schützt, sondern auch das Baumwachstum unterstützt.

Ein Schritt in Richtung plastikfreie Wälder
Die biologisch abbaubaren Pflanzenschutzhüllen von Fundermax/Witasek zeigen, wie Nachhaltigkeit und Innovationskraft miteinander harmonieren können. Sie sind ein Beispiel dafür, wie regionale Unternehmen aktiv dazu beitragen, Wälder fit für die Zukunft zu machen und gleichzeitig umweltbelastende Materialien zu ersetzen.
Mit ihrer Lösung leisten Fundermax und Witasek einen wertvollen Beitrag zur Transformation der Forstwirtschaft hin zu mehr Kreislaufdenken, Ökologie und Verantwortung gegenüber der Natur.
Auch langfristig gibt es bereits große Zukunftspläne der Kärntner. Ihre Baumschutzhüllen sollen auf den internationalen Markt kommen. Eine Patentanmeldung in den USA ist bereits am Laufen. Die biologische Baumschutzhülle aus Kärnten ist für sie nicht nur ein Produkt, sondern eine Vision: Wälder, die gesund wachsen können, ohne zusätzlichen Plastikmüll.
Das Projekt Pflanzenschutzhüllen von Fundermax und Witasek wird mitfinanziert durch die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen.
„Die Förderung hat extrem geholfen. Es ist einfach ein großes Risiko, wenn man sich eine derartige Prototypmaschine hereinstellt und man aber noch nicht weiß, wie es ausgeht und ob alles funktioniert. Mit der Förderung konnten wir dieses Projekt verwirklichen“, erzählt Projektleiter Michael Seebacher.
https://www.witasek.com/baumschutz/biowit-baumschutzprodukte/782/biowit-fmx-baumschutzhuelle-120-cm
Produktvideo: https://www.youtube.com/watch?v=qdW0iONYyac
Über die Förderung:
Die Abfallvermeidungsförderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen bietet Fördermittel für innovative Projektideen zur Abfallvermeidung mit hohem Maß an Freiheit und einer einfachen Förderabwicklung.
Die VKS Verpackungskoordinierungsstelle gemeinnützige GmbH, verwaltet die Mittel zur Förderung von Abfallvermeidungsmaßnahmen treuhändisch und als unabhängiger Dritter.