Jugend-Reparatur-Kultur: Wie Jugendliche in Wien zu Gestalter:innen einer nachhaltigen Zukunft werden
In den vergangenen zwei Jahren hat der Verein Wiener Jugendzentren in Kooperation mit DIE UMWELTBERATUNG ein spannendes Projekt durchgeführt, das ganz auf Nachhaltigkeit, Empowerment und praktisches Tun setzt: die „Jugend‑Reparatur‑Kultur“.
In insgesamt 72 Workshops seit 2024 wurde eine eigene, erfolgreiche Reparaturkultur nach Wien gebracht. Jugendliche werden dabei nicht nur für Reparaturthemen begeistert, sondern selbst zu aktiven Gestalter:innen einer nachhaltigen Zukunft.

Warum Reparieren heute wichtiger denn je ist
Immer kürzere Produktlebenszyklen, steigende Elektroschrottmengen und eine globale Ressourcenknappheit beschäftigen nicht nur Politik und Wirtschaft, auch junge Menschen merken, dass Veränderung notwendig ist. Das Projekt „Jugend‑Reparatur‑Kultur“ setzt genau hier an: Reparieren wird zur Zukunftskompetenz. Jugendliche erfahren, dass sie mit einfachen Mitteln positive ökologische Wirkung erzielen, Geld sparen und gleichzeitig wertvolle, alltagsnahe Fähigkeiten erwerben können.
Reparieren als Empowerment: Was Jugendliche im Projekt erleben
Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es, Reparieren für Jugendliche greifbar, niedrigschwellig und kreativ zu machen.
„Die Jugendlichen bekommen in den Workshops das Know-how, um einfache Reparaturen und Wartungsarbeiten selbst durchzuführen. Sie erlernen praktischen Fähigkeiten, sparen Geld und können auch im Familien- und Freundeskreis weiterhelfen".
Christian Holzhacker, pädagogischer Bereichsleitung und zuständig für dieses Projekt im Verein.
Das stärkt nicht nur die Selbstwirksamkeit junger Menschen, sondern fördert auch ein nachhaltiges Konsumverhalten. In den Wiener Jugendzentren sind daraus vielfältige, kreative Angebote und praxisnahe Workshops entstanden. Vom Fahrradservice über Textilreparatur bis hin zur Smartphone-Diagnose, lernen Jugendliche wie man Dinge selbst wieder funktionsfähig machen kann. Expert:innen des Reparaturnetzwerks Wien bringen ihr Know-how direkt in die Einrichtungen, erklären den Umgang mit Werkzeugen und Materialien und zeigen nachhaltige Alternativen auf. Im Austausch mit den Profis wird Nachhaltigkeit plötzlich konkret. Dadurch entsteht ein neues Bewusstsein: Reparieren ist nicht nur sinnvoll, sondern macht auch Spaß und bringt Menschen zusammen.
Wenn ein kaputtes Gerät plötzlich wieder läuft, erleben Jugendliche unmittelbar: Ich kann etwas bewirken. Ich kann mitgestalten.

Reparieren in ganz Wien verteilt
Gestartet wurde das Projekt 2024 in Jugendzentrum Hirschstetten und in der Jugendarbeit SEA. Im Laufe des Jahres 2025 wurden die Aktivitäten zusätzlich auf in Summe sechs Jugendzentren ausgeweitet: das Jugendzentrum Meidling, Jugendzentrum Erlaa, das Simmeringer Jugendzentrum und den Siedlungstreff Leberberg . So konnten insgesamt 48 Fahrrad-Workshops, 24 Elektronik-Workshops und drei E-Lastenfahrrad-Workshops durchgeführt werden. Daran waren über 700 Jugendliche direkt beteiligt. In Kooperation mit dem Reparaturnetzwerk TechLine wurden außerdem 12 reparierbedürftige Laptops repariert und an die Jugendzentren gespendet.
Warum Reparatur-Angebote Jugendliche besonders ansprechen
Erfahrungen aus dem Projekt zeigen deutlich: Junge Menschen reagieren positiv auf Angebote, die praktisch, sozial und alltagsnah sind. Viele wollen etwas gemeinsam, kreativ und mit klarem Impact tun. Durch niederschwellige Zugänge sind keine Vorkenntnisse notwendig und das benötigte Werkzeug steht vor Ort zur Verfügung. Vom Mode-Upcycling bis zur Technik-Challenge können sich die Jugendlichen verwirklichen und Kreativität mit Technik verbinden. Begleitet wird das Ganze auch digital durch Tutorials, kurze Clips und Social Media.
So entstand eine neue Sicht auf Reparatur: nicht veraltet oder mühsam, sondern modern und selbstbestimmt.

Beitrag zur Kreislaufwirtschaft: Kleine Reparaturen mit großer Wirkung
Reparatur ist ein zentraler Baustein einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Jede erfolgreiche Reparatur bedeutet:
- weniger Müll
- längere Nutzungsdauer von Produkten
- geringeren Ressourcenverbrauch
- bewussteren Konsum
Mit dem Projekt „Jugend‑Reparatur‑Kultur“ leisten die Wiener Jugendzentren einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Transformation und sie zeigen eindrucksvoll, dass Jugendliche bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wenn man ihnen die passenden Räume, Werkzeuge und Inspiration/Vertrauen bietet.
Die Wiener Jugendzentren planen, Reparaturangebote auch in Zukunft durchzuführen und weiterzuentwickeln. Damit wächst eine Generation heran, die Reparieren nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlichen Teil ihres Alltags begreift. Sie werden zu aktiven Gestalter:innen einer nachhaltigen Zukunft.
Das Projekt „Jugend‑Reparatur‑Kultur“ wird mitfinanziert durch die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen.
https://www.umweltberatung.at/praxisbericht-reparatur-workshops
Über die Förderung:
Die Abfallvermeidungs-Förderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen bietet Fördermittel für innovative Projektideen zur Abfallvermeidung mit hohem Maß an Freiheit und einer einfachen Förderabwicklung.
Die VKS Verpackungskoordinierungsstelle gemeinnützige GmbH, verwaltet die Mittel zur Förderung von Abfallvermeidungsmaßnahmen treuhändisch und als unabhängiger Dritter.